Liebe Wegbegleiter unserer Kinder,
wir alle kennen diesen einen Satz: „Das Kind muss sich in die Gruppe integrieren.“
Doch oft schwingt dabei ein unbewusster Unterton mit: Das Kind soll sich fügen, leiser werden und funktionieren. Wir verwechseln Integration oft mit Selbstaufgabe. Dabei ist das, was wir eigentlich suchen, eine echte Zugehörigkeit ohne Anpassung.
Denn Kinder brauchen nicht „irgendeine“ Gruppe. Sie brauchen einen Rahmen, der ihrem individuellen „Gruppentemperament“ entspricht. Wahre Zugehörigkeit ohne Anpassung ist nur dann heilsam, wenn man dabei man selbst bleiben darf.
Warum Zugehörigkeit ohne Anpassung so wichtig ist
Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen einem Kind, das sich wirklich zugehörig fühlt, und einem Kind, das sich lediglich „wegduckt“. Eine Zugehörigkeit ohne Anpassung erlaubt es dem Kind, Teil des Ganzen zu sein, ohne den Kontakt zu seinen eigenen Bedürfnissen zu verlieren.
Ein Kind, das sich lediglich anpasst, wird oft unsichtbar. Ein Kind, das Zugehörigkeit ohne Anpassung erfährt, weiß hingegen: „Ich werde gesehen – mit meiner Lautstärke, meiner Stille, meiner Neugier oder meiner Vorsicht.“
Der Weg zur Zugehörigkeit ohne Anpassung
Jedes Kind hat ein anderes „Gruppenbedürfnis“. Damit Zugehörigkeit ohne Anpassung gelingen kann, müssen wir verstehen, was das einzelne Kind braucht, um sich sicher zu fühlen:
- Action & Bewegung: Manche Kinder finden ihren Platz durch körperliche Präsenz.
- Sicherheit & Struktur: Andere brauchen Vorhersehbarkeit für ihre Zugehörigkeit ohne Anpassung.
- Austausch & Abwechslung: Diese Kinder lieben die Dynamik vieler Kontakte.
- Tiefe, Ruhe & Nähe: Sie brauchen intensive Einzelverbindungen, um sich im Gruppenkontext sicher zu fühlen.
Wie wir den Platz für Zugehörigkeit ohne Anpassung bereiten
Damit ein Kind seinen Platz einnehmen kann, ohne sich zu verbiegen, braucht es Räume, die Wahlmöglichkeiten bieten. Zugehörigkeit ohne Anpassung entsteht dort, wo die Persönlichkeit des Kindes anerkannt wird, statt sie zu bewerten. Darf ein Kind die Rolle wechseln – vom Beobachter zum Mitgestalter? Nur so wird Zugehörigkeit ohne Anpassung im Alltag lebendig.
Goldimpuls für Eltern
Beobachte dein Kind heute einmal ganz wertfrei: Was braucht mein Kind wirklich für eine echte Zugehörigkeit ohne Anpassung – jenseits von dem Gedanken „alle anderen machen das doch auch“? Sucht es die Action oder braucht es den Rückzug, um sicher anzukommen?
Reflexionsfrage für Fachkräfte
Wie erkenne ich im pädagogischen Alltag, ob ein Kind echte Zugehörigkeit ohne Anpassung erlebt oder ob es sich nur still fügt? Wie gestalte ich die Gruppe so, dass Vielfalt zum Standard wird?
Falls du tiefer in das Thema des Monats Februar eintauchen möchtest: In unserem Jahreskreis widmen wir uns ganz der Freiheit und der Wildheit bei Kindern.
1. Teil: Wildheit bei Kindern – Warum wir ihre innere Freiheit brauchen
3. Teil: Freundschaft im Wassermann-Zeitalter – warum Kinder heute andere Beziehungen brauchen
4. Teil: Der Archetyp Narr als Heiler – Wie Kinder durch Humor und Unangepasstheit wachsen
5. Teil: Wenn mein Kind Angst hat, ausgeschlossen zu werden – Chiron in Gruppen und die Heilung der Zugehörigkeit.
Ich freue mich, wenn wir gemeinsam Räume schaffen, in denen Zugehörigkeit ohne Anpassung für jedes Kind möglich wird.
Herzlichst,
deine Sandra Fabri