Liebe Wegbegleiter unserer Kinder,
neulich hörte ich Berichte, die mich sehr beschäftigt haben. Es ging um den Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern – oder das, was Erwachsene dafür hielten. Sie forderten „Respekt“ ein, während sie selbst ohnmächtig, wütend oder sogar körperlich übergriffig reagierten.
Das hat mich wütend gemacht. Und traurig. Vor allem für die Kinder, die diesen falschen Umgang mit Respektlosigkeit erleben müssen.
Ein fünfjähriges Kind, das provoziert, spuckt, schlägt oder Grenzen überschreitet, zeigt uns keine boshafte Respektlosigkeit. Unser Umgang mit dieser vermeintlichen Respektlosigkeit bei Kindern ist entscheidend, denn das Kind spricht eine Sprache. Eine Sprache der Zugehörigkeit, der eigenen Ohnmacht und der unausgesprochenen Frage: „Hält mich hier jemand wirklich?“
In der Individualpsychologie nach Alfred Adler geht es genau darum: Kinder suchen ihren Platz. Sie prüfen, ob die Beziehung trägt – auch dann, wenn ihr Verhalten schwierig wird. Provokation ist kein Angriff. Sie ist ein Test auf Verlässlichkeit.
Wenn Erwachsene im Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern mit Härte reagieren, passiert etwas Entscheidendes: Die Ebenen werden vertauscht. Der Erwachsene reagiert aus seinem eigenen inneren Kind heraus – und das echte Kind bezahlt den Preis.
Ich kenne das. Ich habe es selbst erlebt – als Mutter.
Auch ich suchte nach einem Weg im Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern und wollte irgendwann einfach nur „Respekt“. Und musste mir eingestehen: Das war nicht mein eigener Wert. Das war ein altes Erbe. Was ich wirklich wollte, war Beziehung. Echtheit. Sicherheit.
Seitdem ich meinem Kind zeige, dass auch ich verletzlich und fehlbar bin – und dass ich die Verantwortung für meinen emotionalen Zustand übernehme –, hat sich unser Umgang mit Respektlosigkeit und unsere Beziehung grundlegend verändert.
Sie ist nicht perfekt. Aber echt.
Kinder brauchen keine „coolen“ Erwachsenen. Sie brauchen regulierte Erwachsene für einen gesunden Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern.
Menschen, die ihre eigene Wut kennen. Die ihre Grenzen wahren, ohne zu verletzen. Die nicht Respekt verlangen, sondern Beziehung anbieten.
Körperliche Gewalt – egal ob als „Notlösung“, „Grenzsetzung“ oder „pädagogisches Mittel“ getarnt – ist für mich eine klare Grenze im Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern. Sie übersetzt keine kindliche Sprache. Sie bringt Erwachsenen kurzfristige Erleichterung – und Kindern langfristige Scham.
Du bist der Erwachsene. Deine Aufgabe ist es nicht, zu gewinnen. Sondern zu halten.
Meine Haltung für den Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern ist klar:
Provokation ist Kommunikation.
Beziehung ist der Weg.
Und die Verantwortung gehört nach oben – nicht nach unten.
Reflexionsfragen für Eltern zum Umgang mit Respektlosigkeit
• Was meine ich eigentlich, wenn ich „Respekt“ erwarte – Gehorsam oder Beziehung?
• In welchen Momenten reagiere ich aus Überforderung oder Ohnmacht statt aus Verbindung?
• Was bräuchte mein inneres Kind, damit ich meinem Kind heute reguliert begegnen kann?
• Wo darf ich meinem Kind zeigen, dass auch ich fehlbar bin – ohne die Verantwortung abzugeben?
Reflexionsfragen für Fachkräfte zum Umgang mit Respektlosigkeit
• Wann deute ich kindliche Provokation als Störung – und wann als Kommunikation?
• Wie gehe ich mit meinen eigenen Triggern um, bevor ich pädagogisch handle?
• Wo endet meine professionelle Verantwortung – und wo beginnt mein persönliches Thema?
• Was braucht meine eigene Regulation, damit Beziehung Vorrang vor Macht bekommt?
Ein nachhaltiger Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern beginnt nicht bei Methoden, sondern bei uns selbst.
In meiner Arbeit im Jahreskreis und in der Ausbildung geht es deshalb nicht primär darum, Kinder zu „korrigieren“. Es geht darum, dass wir Erwachsene uns selbst kennenlernen, um einen neuen Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern zu finden: unser eigenes inneres Kind, unsere Trigger, unsere Ohnmachtsmomente und unsere Bedürfnisse nach Halt und Anerkennung.
Denn nur Erwachsene, die sich selbst regulieren können, können Kinder wirklich begleiten – ohne Machtkämpfe, ohne Beschämung und ohne Gewalt.
Mein Jahreskreis bietet dafür einen geschützten Raum: zyklisch, verbindend, ehrlich. Die Ausbildung vertieft diesen Weg für Eltern und Fachkräfte, die Verantwortung für ihren Umgang mit Respektlosigkeit bei Kindern übernehmen wollen, ohne sich selbst zu verlieren.
Nicht perfekt. Aber präsent. Und in Beziehung.
Herzlichst,
deine Sandra Fabri