Liebe Wegbegleiter unserer Kinder,
ein Same keimt im Dunkeln.
Wurzeln wachsen dort, wo kein Licht hinfällt.
Auch die Seele eines Kindes braucht Momente der Unsichtbarkeit, um sich entfalten zu können.
Gerade jetzt im März, wenn die Natur im Außen noch diese scheinbare Ruhe ausstrahlt, sind Rückzugsorte für unsere Kinder von unschätzbarem Wert. Es sind seelische Brutstätten – Orte, an denen inneres Wachstum geschützt heranreifen darf.
Rückzug ist kein „Sozialproblem“
Oft machen wir uns Sorgen, wenn ein Kind sich absondert und seinen eigenen Raum sucht. Wir denken an Schüchternheit, an Ablehnung oder befürchten „Unsozialität“.
Doch meistens ist das Gegenteil der Fall, und der Rückzugsort wird dringend gebraucht. Der Rückzug ist für Kinder (und besonders für die feinfühligen unter ihnen) überlebenswichtig für:
• Schutz & Erholung: Um die Reizüberflutung des Alltags zu verdauen.
• Integration: Um Erlebtes zu verknüpfen und zu verstehen.
• Fantasie: Um in Welten abzutauchen, die im Außen keinen Platz haben.
• Innenweltpflege: Um die eigene Stimme wieder zu hören, wenn es drumherum laut ist.
Räume, in denen niemand zuschaut
Kinder brauchen einen Rückzugsort, an dem sie nicht beobachtet, nicht bewertet und nicht angesprochen werden. Einen Raum, in dem sie einfach nur „sein“ dürfen, ohne eine Rolle zu erfüllen.
Manche Kinder brauchen diesen Rückzugsort stärker als andere – es ist ihr individueller Weg, ihre Akkus aufzuladen.
Wie wir diese heiligen Rückzugsorte für Kinder schaffen
Wir müssen keine Paläste bauen. Oft reichen kleine Gesten und Nischen, um effektive Rückzugsorte für Kinder zu etablieren:
• Zuhause: Deckenburgen, eine Höhle unter dem Tisch, ein Zelt im Kinderzimmer oder einfach eine tiefe Fensternische mit Kissen.
• Die Atmosphäre: Weniger helles Licht, weiche Stoffe und das bewusste „In-Ruhe-Lassen“ definieren einen guten Rückzugsort.
• Im Alltag: Akzeptieren, wenn ein Kind sich die Kapuze über den Kopf zieht oder sich unter einer Bettdecke verkriecht.
Auch in der pädagogischen Arbeit dürfen wir Rückzugsorte für Kinder schaffen, die „unbewertet“ sind. Kuschelecken, die keine Vorleseecken sind, sondern echte Ruheräume, in denen man einfach nur an die Decke starren darf.
Goldimpuls für Eltern
Halte heute einmal inne, wenn dein Kind seinen Rückzugsort aufsucht:
Wo schützen diese Räume die inneren Entwicklungen meines Kindes, die ich im Außen vielleicht noch gar nicht sehen kann?
Kann ich diesen „unsichtbaren“ Rückzugsort heute bewusst stehen lassen, ohne ihn durch Fragen oder Angebote zu stören?
Reflexionsfrage für dich als Fachkraft
Welche ungestörten Rückzugsorte für Kinder gibt es ganz konkret in deiner Einrichtung?
Sind sie wirklich für jedes Kind zugänglich und – ganz wichtig – sind sie so gestaltet, dass Kinder dort wirklich unbeobachtet sein können?
Den Weg durch den März und noch tiefere Einblicke findest du im Jahreskreis.
Wir erforschen in diesem Monat das Leise, das Unsichtbare und die Kraft der Innenwelt:
2. Teil: Kinderschlaf als Seelenreise – Warum der Schlaf ein kleiner schamanischer Tod ist
3. Teil: Träumen ist Arbeiten – Warum Kinder träumen und ihre Welt sortieren
5. Teil: Wenn Kinder Nachtschreck erleben – und wie wir sie sanft zurück ins Jetzt begleiten
Praktische Impulse für intensive Übergänge und wie wir zum sicheren Anker werden.
Ich freue mich darauf, mit dir gemeinsam die Nischen der Freiheit für unsere Kinder zu hüten.
Herzlichst,
deine Sandra Fabri