Liebe Wegbegleiter unserer Kinder,
im Februar begegnen wir ihm überall: dem Narren.
In den bunten Kostümen, den Masken und den lauten Umzügen der Faschingszeit steckt jedoch mehr als nur Spaß. Es zeigt sich ein uralter Archetyp: der Narr. Doch was bedeutet dieser Archetyp des Narren für unsere Kinder im Alltag, jenseits des Konfettiregens?
Der Narr ist als Archetyp das Symbol für absolute Freiheit, Spontaneität und den Mut, aus der Reihe zu tanzen.
Manche Kinder tragen diesen Archetyp des Narren ganz besonders stark in sich. Sie sind die „Clowns“, die „Wirbelwinde“ oder die kleinen „Rebellen“ unserer Gruppen. Und oft sind genau diese Kinder, die den Narren verkörpern, diejenigen, die eine besondere Aufgabe übernehmen: Sie sind unbewusste Energieheiler.
Was der Archetyp Narr in Kindern symbolisiert
Wenn Kinder die Energie des Narren-Archetyps ausleben, meinen wir damit:
- Humor und Leichtigkeit, die starre Situationen auflockern.
- Unangepasstheit, die uns daran erinnert, dass Regeln nicht immer in Stein gemeißelt sind.
- Mut zum kreativen Regelbruch, um neue Wege des Wachstums zu finden.
- Spontaneität, die den Moment feiert, statt nur Pläne abzuarbeiten.
Warum jede Gruppe den „Narren“ braucht
Oft werden Kinder, die diesen Archetyp leben, als anstrengend wahrgenommen. Doch in Wahrheit braucht eine Gemeinschaft genau diese Energie dringend.
Der Archetyp des Narren bringt durch diese Kinder Bewegung in eine Gruppe, die vielleicht gerade feststeckt. Er löst Spannungen durch einen plötzlichen Lacher auf. Das Kind in der Narrenrolle ist derjenige, der die Grenzen buchstäblich „verrückt“ – und damit wieder Raum zum Atmen schafft.
Wenn die Luft in einem Raum „dick“ ist, ist es oft das „närrische“ Kind, das das Ventil öffnet – sei es mit einer scheinbar unpassenden Bemerkung oder einer lustigen Geste.
Die Gefahr: Den Funken des Archetyps löschen
Die größte Gefahr für Kinder mit starkem Narren-Anteil ist, dass sie missverstanden werden.
Schnell heißt es: „Du störst!“, „Sei doch mal ernst!“ oder „Musst du dich immer so aufführen?“.
Wenn wir dieses Verhalten, das dem Archetyp des Narren entspringt, als bloße Respektlosigkeit abtun, beschämen wir den Wesenskern dieser Kinder. Wir löschen ihren Funken und nehmen ihnen – und der gesamten Gruppe – die Ressource der Leichtigkeit, die der Narr schenkt.
Den Archetyp Narr in Kindern würdigen
Wie können wir diese Kinder begleiten, ohne die Kraft dieses Archetyps zu bremsen?
- Impulse erkennen statt abwerten: Hinter dem „Stören“ steckt oft ein wichtiger Impuls für die Gruppendynamik.
- Humor als Brücke nutzen: Lache mit ihnen, statt sie sofort zu maßregeln.
- Sinnvolle Rollen geben: Gib ihnen eine Bühne. Lass sie die „Stimmungsmacher“ sein oder Spiele moderieren.
Der Archetyp Narr zeigt uns durch unsere Kinder, wo Freiheit fehlt. Er lädt uns ein, selbst wieder ein Stückchen wilder zu werden.
Goldimpuls für Eltern
Überlege heute einmal ganz liebevoll:
Welches Verhalten meines Kindes halte ich im Alltag oft für „unpassend“?
Könnte es sein, dass genau dort seine größte Gabe liegt und sich hier der Archetyp des Narren zeigt, um Leichtigkeit in unsere Familie zu bringen?
Reflexionsfrage für dich als Fachkraft
Welche Kinder in deiner Gruppe bringen ständig alles in Bewegung?
Kannst du heute versuchen, ihr Anderssein – diesen Ausdruck des Narren-Archetyps – nicht als Disziplinlosigkeit, sondern als wertvolle Ressource zu sehen?
Was würde sich verändern, wenn du ihre „Verrücktheit“ heute einmal feierst?
Im Jahreskreis erfährst du alles über das Kindsein in all seinen Facetten.
1. Teil: Wildheit bei Kindern – Warum wir ihre innere Freiheit brauchen
2. Teil: Kooperation bei Kindern fördern: Wie dein Kind seinen Platz in der Gemeinschaft findet
3. Teil: Freundschaft im Wassermann-Zeitalter – warum Kinder heute andere Beziehungen brauchen
5. Teil: Wenn mein Kind Angst hat, ausgeschlossen zu werden – Chiron in Gruppen
Ein tiefer Blick auf die Wunde der Nicht-Zugehörigkeit und wie wir Kindern Sicherheit schenken, wenn sie sich am Rand fühlen.
Ich freue mich darauf, mit dir gemeinsam die Masken abzunehmen und die wahre Kraft unserer Kinder zu sehen.
Herzlichst,
deine Sandra Fabri