Man ist niemals fertig, Neues zu lernen; Interview Diploma

19.05.2016

Erfahrungen einer der ersten Fernstudentinnen im DIPLOMA-Grafik-Design 

Was machen eigentlich die Pioniere aus dem ersten Grafik-Design Fernstudium an der DIPLOMA Hochschule heute? Sie steuern zum Beispiel ein neues „Schiff“. Bei Sandra Fabri, Absolventin im Sommersemester 2015, heißt es „Drachenschiff“. Wir stellen vor, was sie selbst aus dem Studium und was andererseits das Studium aus ihr gemacht hat. 

Wann fiel der Entschluss: “Jetzt studiere ich den DIPLOMA-Fernstudiengang Grafik-Design“?

Ich wollte kein theoretischer Denker werden, sondern in der Praxis bleiben. Doch mein damaliger Marketingleiter, ein Mann mit unglaublich viel Charisma und Klugheit, ermutigte mich, gerade als Frau: „Geh studieren! Und gib’ dich nicht mit weniger zufrieden!“. Ich entgegnete: „Grafik Design kann man nicht studieren und parallel dazu arbeiten. Das gibt es nicht“. Doch ich sollte mich irren. Denn in dieser Zeit entstand der erste Pionier-Studiengang, der genau das ermöglichte: Grafik Design nebenberuflich zu studieren. Ich war sehr motiviert, wollte lernen und anderen zeigen, was eine besonders gute Grafik Designerin ausmacht. 

Gab es Hürden im Studienleben? Oder hatten Sie gleich einen “Schlachtplan” zur Hand?

Es gab viele Hürden. Zum Beispiel: Durchhalten können, nicht aufgeben. Ich habe mich darauf eingelassen und hatte keinen Plan, was das heißt. Dann aber wurde es auch eine Einstellung, die ich aus dem Studium mitnehmen konnte: absolute Offenheit. Sowohl Dozenten, anderen Mitstudenten und allen Projekten gegenüber. 

Es gab viele positive Überraschungen. Die ersten Semester fand ich das Studium ziemlich langweilig, weil man alle “auf einen Stand” bringen musste, da wir ja auch Quereinsteiger hatten. Durch die Berufsausbildung als Grafik Designer hatte ich das Handwerkszeug schon gelernt und fühlte mich überlegen. Ich muss zugeben, dass ich mich dann auch nicht besonders angestrengt habe. Das war auch die Zeit, in der ich mich dann selbständig gemacht habe. 

Doch als diese Phase überstanden war, wurde es richtig spannend: Konzepte erarbeiten und Design durchdenken. Also vordenken, für Dinge, die noch gar nicht da sind. Zum großen Teil an der wiedergefunden Freude am Studium haben auch die Kommilitonen beigetragen. Ohne die gegenseitige Motivation und das WIR-Gefühl hätte ich das Studium nicht beendet. Hier wurde mir auch immer mehr klar, dass es nicht um einen selbst geht, sondern wie wichtig das Team ist. 

Damit kam auch die Idee zum „Drachenschiff“. Parallel habe ich ja mein Geschäft aufgebaut und ein Coaching bei meinem Unternehmensberater Gerhard Gieschen begonnen. Ich habe mich geöffnet und zwar in alle Richtungen. Also weg vom Einzelkämpfer, hin zur Mannschaft. Viele Dinge hat man auch durchgezogen, um das Team nicht im Stich zu lassen und für das gemeinsame Ziel zu kämpfen. Das hat ungemein motiviert. 

Welche Rolle spielen Wikinger und Erfahrungen mit der Werbung in Ihrem Werdegang?

Die Wikinger kamen durch Zufall in mein Leben. Ich habe die Serie „Vikings“ angeschaut und mir hat genau dieser Team- und Kampfgeist gefallen.

Die Wikinger halten ihre Werte hoch, waren große Familienmenschen und es wurde durch die Bilder deutlich, wie alle gemeinsam in einem Boot sitzen. Außerdem waren sie nicht bösartig, sondern hatten nichts zu Essen und wollten für Ihre Familien sorgen. Also getrieben aus Not und Unzufriedenheit heraus haben sie sich aufgemacht. Später kam der Entdeckergeist dazu. 

Das kenne ich auch aus meinem Leben. Die Unzufriedenheit, die einen antreibt und nicht still sitzen lässt. Steve Jobs sagt dazu „Stay hungry, stay foolish“. Ich habe dann Parallelen zwischen Kreativen und den Wikingern entdeckt: Beide müssen mutig sein, um Neues zu entdecken. Sie mussten sich bewegen, um vorwärts zu kommen. Sie waren sehr gut ausgebildet. Die besten Seefahrer und Krieger.

Sie waren ihrer Zeit mit dem Schiffsbau voraus und liebten Überraschungsangriffe. Das ist ja auch ähnlich wie in der Werbung. Die Erfolge waren nicht zufällig. Werbung umgibt uns alle jeden Tag. Mal gute, mal schlechte. Meinen Auftrag sehe ich darin, einen Unterschied zu machen. Außerdem für meine Mannschaft zu sorgen und diese gut auszubilden. 

Was machte Ihnen das Studium beruflich und persönlich klar?

Beruflich, dass ich weg vom klassischen Designer „Sandra Fabri“ und damit auch fabridesign muss. Ein Designer muss heute mehr können, außer hübsche Grafik. Es geht um ganzheitliches Denken und Beratung. Also dem Kunden einen Dienst zu erweisen. Auch wurde mir klar, dass ich weg vom Konkurrenzdenken muss, sondern mehr ins Netzwerken und in den Austausch. Man konnte sich ergänzen und Aufgaben verteilen. 

Auch, dass man sich auf seine Stärken konzentriert, wurde im Studium deutlich. Persönlich machte mir das klar, dass man viel mehr kann, als man sich zutraut. Und man kann auch mehr leisten, als die meisten glauben. Kurz nach Beendigung des Studium dachte ich irgendwann: „Es ist Samstag. Ich habe frei. Wie langweilig!“.

Darum mache ich jetzt auch den Master in Creative Direction. Nicht weil mir langweilig ist und nicht des Titels wegen. Dahingehend habe ich meine Meinung nicht geändert, dass mir Titel völlig egal sind.

Ich denke durch Fleiß und Wille kann man viel mehr erreichen, als durch Talent. Obwohl oder besser gesagt, gerade weil ich „Chefin“ bin, und die Verantwortung für mein Team trage, studiere ich wieder. Um Vorbild zu sein und zu zeigen, dass man niemals fertig ist, Neues zu lernen.

Foto: Sandra Fabri

Quelle: https://www.diploma.de/aktuelles/man-ist-niemals-fertig-neues-zu-lernen